Das Programm der Langen Nacht der Wissenschaft

20:00 (Wiederholung: 21:00 Uhr, Dauer jeweils 30 Minuten) | Galerie Stadtspeicher, Markt 16
Bertolt Brecht im Porträt (Ausstellung 25.11.2011 - 03.03.2012)
Führung (mit V. Häußler) durch die Ausstellung mit kurzen Texten ganz nach Brecht (gelesen von T. Müller). Stadtzentrum BehindertengerechtCatering

Stadtspeicher Jena e.V.

Zeichnung Hans Ticha, 1988
von Hans Ticha 1988

Die Ausstellung

Eine Ausstellung mit Kunst zu Bertolt Brecht und seinem Werk in der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in Jena zu eröffnen – wie passt das zusammen? Auch wenn Brecht nie in Jena war, er hat hier doch Spuren hinterlassen: Im Theater, in der Wissenschaft und im kulturellen Leben der Stadt. So wurde eines der frühen Stücke Brechts, „Mann ist Mann“, schon am 20. März 1928 durch die Spielgruppe der Volkshochschule Jena im Theater der Stadt aufgeführt. Der damalige Ausstellungsleiter des Jenaer Kunstvereins Walter Dexel gestaltete das Plakat und entwarf die gesamten Bühnenbilder.

Später, am 8. April 1967, wurde dieses Stück wieder im Stadttheater gezeigt, diesmal durch das „Junge Theater Jena“, das auch Szenen aus „Furcht und Elend des III. Reiches“ und den „Flüchtlingsgesprächen“ im Klubhaus in der Wagnergasse spielte. Im Stadttheater, als „Haus Jena“ Spielstätte des „Deutschen Nationaltheaters“, wurden die in Weimar inszenierten Brechtstücke gespielt. Dazu sind in der Ausstellung zwei Plakate.

Zahlreiche Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena forschten und lehrten zu Brecht. Dafür stehen die Professoren Helmut Brandt, Hans Kaufmann, Joachim Müller (1906-86) neben Inge Häußler (1977  Dissertation zu den Keunergeschichten und den Flüchtlingsgesprächen) und Detlef Ignasiak (1981 Dissertation zu den Kalendergeschichten),  deren Arbeiten als „Brecht-Studien“ des Brecht-Zentrums erschienen.

Eine ganze Reihe Jenaer Künstler schufen Kunst zu Brecht, darunter Rainer Schumacher mit seinem Brechtbildnis auf der Titelseite von Heft No. 1 (November 1989) der Schülerzeitung „SPEKTRUM“ der ehemaligen Bertolt-Brecht-Schule.

Was lag da näher, als den günstigen Umstand zu nutzen, dass der Jenenser Volkmar Häußler über viele Jahre hinweg eine umfangreiche Sammlung von Grafik und Buchkunst zu Brecht zusammengetragen hat! Sie beinhaltet einen repräsentativen Querschnitt von Arbeiten bekannter deutscher und internationaler Künstler.

So die deftig erotischen Lithographien von Willi Sitte zum „Baal“;  zur „Dreigroschenoper“ Lithographien und Holzschnitte von Hansen-Bahia, Josef Hegenbarth, Bernhard Heisig, Karl-Georg Hirsch, Max Schwimmer und Gustav Seitz; Zeichnungen und Graphiken von Albrecht von Bodecker, Fritz Cremer, Horst Janssen, Harald Kretzschmar, Arno Mohr, Gabriele Mucchi, Herbert Sandberg, Elizabeth Shaw, Hans Ticha, Heinz Zander, Baldwin Zettl und anderen, darunter viele Brechtporträts. Außerdem frühe Brecht-Erstausgaben.

Eine Auswahl aus dieser Sammlung soll eine ungefähre Vorstellung von der Vielfalt der Bilder geben, die aus der künstlerischen Auseinandersetzung mit Brecht entstanden sind.

Brecht und die Wissenschaft

Von V. Häußler

Im Jahre 1937 beginnt Brecht, sich mit der Situation der Wissenschaftler im faschistischen Deutschland auseinanderzusetzen. Er schreibt zunächst eine „Rede über die Widerstandskraft der Vernunft“ und im Jahr darauf eine Szene für „Furcht und Elend des III. Reiches“ mit dem Titel „Physiker 1935“, Albert Einstein betreffend.
Im gleichen Jahr entsteht die Erzählung „Das Experiment“, in dessen Mittelpunkt der englische Naturwissenschaftler Francis Bacon (1626 an den Folgen seines Experiments gestorben) steht. Er ist für Brecht neben Galileo Galilei und Giordano Bruno der Begründer des neuen wissenschaftlichen Weltbilds, des „wissenschaftlichen Zeitalters“, und gilt als einer der Wegbereiter des Empirismus, der auf Erfahrung aufbauenden Wissenschaft. In der Ausstellung liegen dazu ein illustriertes Künstlerbuch und ein illustriertes Jugendbuch.

Ebenfalls 1938 beginnt auch Brechts Arbeit am „Leben des Galilei“, dessen verschiedenen Fassungen ihn bis an sein Lebensende beschäftigen. In der ersten („dänischen“) Fassung geht es um den Stellenwert der Wissenschaft für den gesellschaftlichen Fortschritt. Mit dem Abwurf der amerikanischen Atombomben auf Japan im August 1945 ändert sich Brechts Einschätzung radikal, in der („amerikanischen“) Neufassung ist nun die Verantwortungslosigkeit der Wissenschaft das Thema. In der letzten („Berliner“) Fassung rückt er das Problem der Verantwortung des Wissenschaftlers noch näher an die Gegenwart heran, und in der vorletzten Szene werden Assoziationen zum Verhalten Robert Oppenheimers möglich. Während dieser Arbeit beginnt Brecht mit „Leben des Einstein“, das Fragment bleibt. Zu „Galilei“ zeigt die Ausstellung die Radierungen von Hans Tombrock aus dem Jahre 1941 mit seinen handschriftlichen Bemerkungen zur Zusammenarbeit mit Brecht.

Schon vor der Nazibarbarei hatte Brecht seine neue epische Spielweise, das epische Theater, hartnäckig durchgesetzt. Mit dem 1949 erschienenen „Kleinen Organon für das Theater“ entwickelte er erstmals in systematischer Form seine Vorstellungen von einem „Theater des wissenschaftlichen Zeitalters“