Das Programm der Langen Nacht der Wissenschaft

18:00 - 23:00 (Wiederholung: 19:00 und 21:00, 30 minütige Präsentation) | Fakultätsgebäude, Fürstengraben 6, 07743 Jena, SR E004
Die Hebräische Bibel - Text und Überlieferung
Stadtzentrum Behindertengerecht

FSU: Theologie

Die Heilige Schrift der Juden und Christen ist kein homogenes Buch. Die heute gezählten 39 Bücher des Alten Testaments sind über einen Zeitraum von rund 1 000 Jahren entstanden. Auch wenn die Mehrzahl dieser Schriften um die Mitte des 1. Jahrtausend vor Chr. verfasst wurde und einzelne Texte auch deutlich älter sein dürften, ist ihre Kodifizierung in Gestalt eines verbindlichen Kanons erst im 1.-2. Jh. nach Chr. erfolgt. In die gleiche Zeit fällt das „Einfrieren“ des inzwischen als unantastbar geschätzten hebräischen Konsonantentextes, während seine Vokalisierung weitere Jahrhunderte später im frühen Mittelalter schriftlich festgelegt wurde. Dieser uns heute vorliegende Text ist also in einer Zeit fixiert worden, als das Hebräische bereits jahrhundertelang als lebendige Sprache verschwunden und durch das Aramäische bzw. Griechische ersetzt worden war. Die heutige Vokalisierung der alttestamentlichen Schriften spiegelt also keineswegs die zeitgenössische Aussprache des hebräischen Originaltextes wider, sondern lediglich das, was die jüdischen Gelehrten (die Masoreten) des Mittelalters für gutes Hebräisch hielten.
Für die historische und theologische Beschäftigung mit dem Alten Testament ist eine Rekonstruktion älterer „Entwicklungsstufen“ eines Textes also unerlässlich. Diese sogenannte Textkritik stellt ein wesentliches Element der modernen alttestamentlichen Wissenschaft dar. Neben der Korrektur offensichtlicher Schreibfehler steht dabei die Beurteilung sprachlicher Unebenheiten und Brüche, die auf Veränderungen der ursprünglichen Textgestalt schließen lassen, im Mittelpunkt. Ein wichtiges Hilfsmittel hierfür bilden andere Überlieferungsstränge außerhalb der Biblia Hebraica, welche Varianten zum Bibeltext der Masoreten enthalten können. Zu den wichtigsten Parallelüberlieferungen gehören die griechische Übersetzung der Septuaginta und vor allem die Schriftfunde aus Qumran und der Wüste Juda. Diese Handschriften aus dem 3.-2. Jh. vor Chr. sind die mit Abstand ältesten Zeugen für Texte der hebräischen Bibel. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über die Geschichte des hebräischen Bibeltextes und führt anhand von Beispielen in die Problematik der alttestamentlichen Textkritik ein.