Das Programm der Langen Nacht der Wissenschaft

19:00 - 22:00 | Ernst-Haeckel-Haus, Berggasse 7, 07745 Jena
Die Nacht der Radiolarien
Stadtzentrum Kinder

FSU: Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik "Ernst-Haeckel-Haus"

Ernst Haeckel (1834-1919), zu seiner Zeit wohl der bedeutendste Evolutionsbiologe des Kontinents, bearbeitete als Zoologe eine Fülle von Lebensformen. Dabei faszinierten ihn zuerst und immer wieder neu die einzelligen Strahlentierchen oder Radiolarien (von lat. radiolus = kleiner Strahl). In seiner vielbeachteten Monographie über „Die Radiolarien“ (Berlin 1862) wollte er anhand der nur unter dem Mikroskop sichtbaren Skelette dieser Gruppe von Lebewesen deren Systematik erarbeiten. Sein Ziel war es, »eine möglichst vollständige Darstellung der Radiolarien nach allen bis jetzt bekannten Verhältnissen zu liefern und neben den eigenen neuen Arbeiten auch die Resultate aller früheren darauf bezüglichen Untersuchungen zusammenzufassen, so dass die Summe aller bis jetzt erworbenen Kenntnisse dieser Thiergruppe sich darin gesammelt findet« (Vorwort). Im fünften Kapitel dieser Monographie (»Versuch eines natürlichen Systems der Radiolarien«) lenkt Haeckel dabei ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die »Uebergangsformen« und »Zwischenglieder« innerhalb dieser Tiergruppe, weil deren Erforschung einen wichtigen Beitrag »zur Entscheidung der Frage von der allmählichen Entwicklung der organischen Wesen aus gemeinsamen Stammformen« (S. 231) liefern könne. Auch wenn er hier noch Bedenken trägt »Darwins Anschauungen und Hypothesen nach allen Richtungen hin zu theilen und die ganze von ihm versuchte Beweisführung für richtig zu halten«, bewundert er doch in dessen Arbeit »den ersten, ernstlichen, wissenschaftlichen Versuch [...], alle Erscheinungen der organischen Natur aus einem grossartigen, einheitlichen Gesichtspunkte zu erklären und an die Stelle des unbegreiflichen Wunders das begreifliche Naturgesetz zu bringen.« (S. 232)

Die »Nacht der Radiolarien« wird eröffnet durch einen Vortrag von Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach, der in Haeckels Arbeiten über die Radiolarien einführt. Im Anschluss daran können einige Radiolarien unter dem Mikroskop betrachtet werden.